Von
Eduardo Saidi
Tingatinga
zur
Kooperative



Die Tingatinga-Malerei wurde von Eduardo Saidi Tingatinga (1932-1972) begründet, der als Sohn armer Bauern aus dem Makua-Volk im Süden Tansanias heranwuchs. Wie üblich hütete er die Rinder der Familie, besuchte aber auch vier Jahre eine Missionsschule. Nach zahlreichen Gelegenheitsarbeiten erhielt er schließlich in Dar es Salaam Anstellungen im Hause englischer Kolonialbeamter. Als er wie viele andere nach dem Auszug der Kolonialverwaltung 1968 arbeitslos wurde, musste er sich nach neuen Verdienstmöglichkeiten umsehen. Er begann als Autodidakt in Erinnerung an seine ländliche Heimat mit dem Bilder-Malen: zunächst die wilden Tiere der Savanne, aber dann auch den Alltag im Dorf, die Praktiken der örtlichen Heiler und seine Vorstellung von Geistwesen.

Er benutzte Materialien, die für ihn erschwinglich waren: selbst quadratisch zugeschnittene Masonitplatten, mit denen die Zimmerdecken in den Häusern der Europäer verkleidet wurden, im Format 60 x 60 cm und Fahrradlackfarben.

Da er mit dem Verkauf seiner Bild bald erfolgreich war, zogen nach und nach Familienangehörige und weiter entfernte Verwandte zu ihm nach Dar es Salaam, um gzu assistieren und unter seiner Anleitung zu malen. Auf diese Weise entstand eine Art familiäres Produktionskollektiv.



Nach Tingatingas Tod im 1972 (er wurde irrtümlich während einer Polizeikontrolle erschossen) blieb die Malergruppe beisammen und erhielt Zulauf. Sie entwickelten seinen Stil weiter, indem sie vielfach ornamentale bzw. dekorative Elemente einbezogen sowie andererseits die Palette der Motive um aktuelle gesellschaftliche Themen erweiterten.

Heute arbeiten ca. 80 Maler unter dem Tingatinga"Warenzeichen" in Dar es Salaam, zusammegeschlossen in der "Tingatinga Arts Cooperative Society" (TACS). Viele andere haben die Kooperative im Laufe der Zeit verlassen und arbeiten selbstständig in Dar es Salaam oder anderswo in Tansania.

portrait

© Jesper Kirknaes